Lieben werde ich euch immer

Ihr fehlt hier. Heute habe ich euch, als der Räuber, euer Urenkel, schlief, einen Besuch abgestattet und ein Blümchen gebracht. Es ist immer noch surreal die Jahreszahlen zu sehen.

1928-2011

1927-2016

Es kommt mir vor wie gestern, als wir gemeinsam Waffeln gebacken haben, in der Küche, in der wir nun mit Kleine. Pancakes machen.

Es kommt mir vor wie gestern, als Opa im Wintergarten seinem Radio lauschte, dort wo jetzt Andrés Chilis wachsen.

Es kommt mir vor wie gestern, als wir Oma beim Sticken „störten“, wenn wir spontan vorbei kamen, genau an der Stelle im Haus, wo jetzt eine Leseecke ist, in der wir Bücher von Janosch lesen.

Mein Arbeitszimmer, mein Fuchsbau, ist der Raum, in dem Opa all seine Erinnerungen niederschrieb

Ich liege in unserem Familienbett – hier war saß Oma und schrieb ihre Erinnerungen an einer Schreibmaschine.

Ich möchte euch so gerne von allem erzählen. Davon, wie glücklich ich bin. Davon, dass zwischen meiner Arbeit und mir nur noch einige Wochen liegen. Davon, dass eure Blumen blühen im Garten, die Vögel immernoch auf dem Wein sitzen, die Frösche der Nachbarn noch quaken.

Letzte Gespräche. Opa wünsche uns einen schönen Urlaub. Wir kamen nicht rechzeitig zurück. Oma dagegen konnte sich verabschieden. Ich habe ihr von meinen Brautkleid erzählt. Sie wusste, dass wir hier einziehen wollen. Und doch: beide Tode taten gleich weh. Es fällt immer gleich schwer. Fehlen werdet ihr immer. Lieben werde ich euch immer.

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