Gedanken zum Elternsein

Das Wertvollste, das ich in meiner eigenen Kindheit gelernt habe? Zu spüren, dass ich gut so bin, wie ich bin.

In der bedürfnisorientierten Erziehung von heute selbstverständlich, in der Generation meiner Eltern nicht unbedingt. Doch meine Eltern haben genau das gelebt, nicht wissend darüber, dass es 2018 Ratgeber darüber geben wird und viele meiner Generation mit ihrem „inneren Kind“ negativ konfrontiert werden.

Weil damals bei vielen Leistung alles war. Weil oft gezwungen wurde aufzuessen, mit Liebesentzug gedroht wurde, Schwächen nicht respektiert wurden.

Da spricht kaum jemand drüber. Jetzt wo ich ein Kind habe, denke ich viel darüber nach und bin gleichzeitig dankbar. Dankbar dafür, dass meine persönlichen Grenzen immer geachtet wurden. Dankbar dafür, dass ich Angst haben durfte – vor dem Klettergerüst, Wasser, der Schule. Dankbar dafür, dass mir diese Ängste genommen wurden, nicht indem ich gezwungen wurde, mich ihnen zu stellen, sondern indem ich liebevoll dabei begleitet wurde. In meinem Tempo. Und wenn das hieß, dass ich erst sehr spät einen Freischwimmer machte und vielleicht das eine oder andere Mal Zuhause bleiben durfte, dann war das eben so. Ich liebe meine Eltern dafür, dass sie mich immer Ernst genommen haben. Als Kind, als Teenie und auch jetzt. Meinen Wert als Mensch nicht davon abhängig gemacht haben, dass ich mit 14 plötzlich bunte Haare hatte, laute Musik hörte und meine Freunde in der Fußgängerzone schnorren. Sie waren vielleicht nicht immer Feuer und Flamme, wenn ich zum Beispiel mit 15 von einer Demo gegen Nazis anrief, weil wir von der Polizei eingekesselt wurden. Aber sie waren für mich da und haben keine meiner Entscheidungen jemals ins Lächerliche gezogen. Ich habe meinen Eltern so viele Dinge anvertraut, weil ich wusste, sie würden sie niemals gegen mich verwenden. Auch sie waren jung. Haben gefeiert, vielleicht nicht immer kluge Entscheidungen getroffen und hatten Ängste und Sorgen. Ich finde das Wichtigste am Eltern sein ist es, niemals zu vergessen, wie es ist ein Kind zu sein oder später ein Teenie. Sich emphatisch in sein Kind hineinversetzen zu können. So komme ich auch jetzt noch zu ihnen, wenn ich einen Rat brauche. Und genau diese Art Eltern möchte ich auch für Klein E. sein.

Er soll immer wissen, er ist gut so wie er ist, egal was er in seinem Leben noch so vor hat.

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