Perspektivwechsel: Durch fremde Augen sehen.

Sind wir nicht alle immer ganz schnell mit dem Satz: „DAS würde ich aber anders machen.“ Und sei es nur in Gedanken. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal bewusst oder unbewusst das Handeln einer anderen Person beurteilt. Das ist letztlich ja auch ganz menschlich. Seitdem ich schwanger bin habe ich eins gemerkt: andere Mütter können Gift sein. Damit meine ich nicht diese, die man privat kennt und mit denen man sich gut versteht. Ich meine die Sammelstellen aller Gifte: Mütterforen und Mütterfacebookgruppen.

Da wird sich darüber gestritten, wer denn die beste Erziehungsmethode hat, auf welche Art man sein Kind wickeln sollte, wie lange man stillt, wo das Kind schläft und wie man es zur Welt bringt. Und bei all den Unstimmigkeiten haben alle Muttis doch eins gemeinsam: Ihre Meinung ist die einzig richtige!

Anstatt nun also zu denken „Boa, hat die eine Macke…“ (und glaubt mir, bei manchen Themen kann man einfach nicht anders, als solche Gedanken zu haben), versuche ich stattdessen einen Perspektivwechsel. Nur weil für mich etwas niemals funktionieren würde oder auch nur in Frage käme, heißt das ja nicht, dass es der anderen genauso geht. Wir haben ja eigentlich alle unsere Gründe, warum wir Dinge tun, wie wir sie tun. Und solange sie dem Kind keinen Schaden zufügen, kann es mir doch egal sein, ob eine andere Frau Pampers oder Stoffwindeln benutzt, oder windelfrei praktiziert.

Umgekehrt habe ja auch ich meine Gründe, wieso zum Beispiel blinkendes und lautes Plastikspielzeug bei uns nicht einziehen soll. Ich erwarte ja auch Akzeptanz für diese Entscheidung, auch wenn sie vielleicht andere Mütter niemals nachvollziehen können. Müssen sie ja auch nicht. Ich denke das Problem liegt dabei, dass wir die Welt nur durch unsere Augen sehen. Wir wagen es nicht, uns in andere hineinzuversetzen und so zu begreifen, wieso wir so unterschiedlich sind.

Fotografin: Saskia Bock

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